Kirmes organisieren: Checkliste und Zeitplan für euren Verein
Stand: 10. Juni 2026 · 8 Min. Lesezeit
Eine Kirmes ist das größte Projekt, das viele Vereine im Jahr stemmen — Genehmigungen, Schausteller, Musik, Stände, Kassen und ein dreistelliger Berg an Helferdiensten, alles im Ehrenamt. Was dabei hilft, ist keine geniale Idee, sondern eine Zeitachse, an der man entlangläuft. Hier ist sie — von sechs Monaten vorher bis zur Nachbesprechung.
6 Monate vorher: Fundament
- Termin festzurren — gegen Nachbarvereine, Ferien und andere Feste im Umkreis prüfen. Nichts kostet mehr Besucher als die Parallel-Kirmes zwei Dörfer weiter.
- Festausschuss bilden: je eine verantwortliche Person für Genehmigungen, Stände/Einkauf, Helfer, Technik/Aufbau und Finanzen. Eine Person pro Thema — nicht fünf Leute für alles.
- Beim Ordnungsamt vorfühlen, welche Auflagen gelten (Fläche, Lärm, Sicherheit) — jede Kommune handhabt es anders.
- Schausteller und Musik anfragen — gute Fahrgeschäfte und Bands sind lange im Voraus weg.
- Budget grob aufstellen: Was muss die Kirmes einspielen, was darf sie kosten?
8–6 Wochen vorher: Genehmigungen & Verträge
- Veranstaltung beim Ordnungsamt anmelden — viele Kommunen wollen die Anmeldung mindestens 6–8 Wochen vorher.
- Gestattung für den Ausschank („vorübergehende Gestattung eines Gaststättenbetriebs“, § 12 GastG) beantragen — meist beim selben Amt, Kosten je nach Gemeinde ca. 20–200 €.
- GEMA anmelden — gilt für Live-Musik genauso wie für Musik vom Band. Nicht anmelden wird teurer als anmelden.
- Sperrzeit klären: Soll länger ausgeschenkt werden, braucht es eine Ausnahme von der Kommune.
- Versicherung prüfen: Deckt die Vereinshaftpflicht die Veranstaltung ab — inklusive Aufbau und Fahrgeschäft-Flächen? Im Zweifel beim Versicherer schriftlich bestätigen lassen.
- Strom, Wasser, Toiletten organisieren (Anschlüsse, Dixis, Müllentsorgung).
- Hygiene-Basics für Imbiss und Kuchentheke einplanen — eine gute Grundlage ist der Leitfaden „Feste sicher feiern“ des Bundesministeriums.
4 Wochen vorher: Stände, Helfer, Einkauf
- Stände und Schichten final planen und die Helferliste öffnen — jetzt, nicht erst in der Festwoche. Faustregel: Stoßzeiten doppelt besetzen, ~10 % Springer, Auf- und Abbau als eigene Blöcke.
- Kuchenliste starten — wie das ohne zwölf Marmorkuchen endet, steht im Ratgeber Kuchenspenden organisieren.
- Einkauf und Kommission: Getränke über die Brauerei auf Kommission bestellen (Rückgabe!), Grillgut, Brötchen, Servietten, Kuchenteller.
- Werbung: Plakate, Lokalpresse, Gemeindeblatt, Social-Media-Termin.
Die letzte Woche
- Schichtlücken gezielt schließen — offene Schichten einzeln ausspielen („Sonntag 14–16:30 Kuchentheke: noch 2 Plätze“), nicht die ganze Liste nochmal rumschicken.
- Erinnerung an alle Eingetragenen 2–3 Tage vorher — das verhindert die meisten No-Shows.
- Kassen vorbereiten: Wechselgeld pro Stand (ausreichend Münzen!), Bonrollen, klare Regel, wer abends abrechnet.
- Einsatzplan an die Schichtleiter: pro Stand eine Person mit aktueller Liste und Handynummern für den Festtag.
An den Festtagen
- Kurzes Briefing zum Schichtstart: Preise, Bons, Ansprechpartner.
- Springer aktiv einsetzen, bevor ein Stand absäuft.
- Notfallnummern sichtbar an jedem Stand (Orga, Sanitäter, Technik).
- Abendliche Kassenübergabe nach festem Schema, immer zu zweit.
Nach der Kirmes: der unterschätzte Teil
- Abbau ist eine eigene Veranstaltung: ohne eingeplante Abbau-Schichten stehen montags immer dieselben drei Leute im leeren Zelt.
- Abrechnung zeitnah: Kommissionsware zurück, Kassen zusammenführen, Ergebnis in den Vorstand.
- Danke sagen: Helferfest oder Helferbier — die beste Investition in die Kirmes vom nächsten Jahr.
- Helferdaten aufräumen: Nach Fest und Abrechnung gehören die Daten gelöscht oder anonymisiert — was dabei für Vereine gilt, steht im Ratgeber Helferliste & DSGVO.
- Nachbesprechung mit Notizen: Was hat gefehlt, wo war zu viel? Die Liste vom letzten Jahr ist der beste Plan fürs nächste.
Häufige Fragen
Welche Genehmigungen braucht eine Vereins-Kirmes?
Typisch: die Anmeldung der Veranstaltung beim Ordnungsamt, die vorübergehende Gestattung für den Alkohol-Ausschank (§ 12 GastG), die GEMA-Anmeldung für Musik sowie je nach Ort Ausnahmen von der Sperrzeit. Die Details unterscheiden sich je nach Kommune — früh nachfragen, die Anmeldung gehört 6 bis 8 Wochen vorher eingereicht.
Was kostet die Schankerlaubnis (Gestattung)?
Je nach Gemeinde und Größe der Veranstaltung meist zwischen 20 und 200 Euro. Den Antrag stellt ihr beim Ordnungsamt — oft zusammen mit der Veranstaltungsanmeldung.
Wie viele Helfer brauchen wir für eine Kirmes?
Als Mengengerüst: Ein zweitägiges Fest mit fünf bis sechs Ständen kommt schnell auf 150 bis 200 Dienste (eine Person × eine Schicht × ein Stand). Faustregeln pro Stand stehen in unserem Ratgeber „Helferliste erstellen“.
Müssen wir bei selbstgebackenem Kuchen etwas beachten?
Ja — Kühlkette bei Sahne- und Cremetorten und ein Allergen-Hinweis am Stand, sobald Kuchen gegen Geld oder Spende abgegeben wird. Die Details stehen im Ratgeber „Kuchenspenden organisieren“.